Blood Brothers - Crimes (V2)
Mann, Mann, Mann, gute Musik kann manchmal ganz schön anstrengend
sein! Das Debüt der Blood Brothers war ja schon ebenso genial wie
unverträglich und mit ihrem neuen Album betonieren die jungen Herren
ihren Ruf. "Crimes" bietet alles, was es unmöglich macht, die Blood
Brothers in irgenteine Schublade zu stecken: Punkrock-Stücke mit
Avangarde-Pop-Breaks, Pop-Stücke mit Hardcore-Kreisch-Breaks, Gesang
in schwindligen Höhen und 1000 Überraschungen. Man weiss eigentlich
nie, was einem hier hinter der nächsten Ecke erwartet. Dabei klingt
das Album nicht mal beliebig zusammen gestellt, sondern alles passt
auch noch irgentwie zusammen. Aber wie? Keine Ahnung. Hm, das muss man
auch erstmal hinkriegen...
Chencha Berrinches - Cada Loco Con Su Tema (Übersee)
Die "alte Schachtel" aus L.A., zählt in Kalifornien zu den
angesagtesten Latin-Ska-Bans, überhaupt! Letztes Jahr rissen sich die
sieben Latinos die Trophäe der "Best Ska Band" unter den Nagel,
während heutzutage die Bühnen der guten alten Bundesrepublik, gestürmt
werden. Ihre Interpretation von düsterem Ska, basiert im Besonderen
auf harten Gitarren (hin und wieder mogeln sich auch Metal-Riffs in
die Schublade) und einem Durchschnittstempo von 200 km/h. Diese
Version scheint aus der Voodoo Glow Skulls-Schule zu stammen, kommt
aber lange nicht so hektisch und unkontrolliert daher. Die
Gitarrenbretter stehen stets im Einklang mit Bläsern, Offbeats und
selbstverständlich spanischem Gesang und verleihen dem Sound eine
überzeugende eigene Note.
Wilde 13 - Hauptsache es kracht (Superhero)
Nach unzähligen kleineren Formaten, kommt jetzt ENDLICH der erste
Longplayer auf den Ladentisch! Na gut, eigentlich gibt's das Teil
schon über ein halbes Jahr, wir haben's aber bis jetzt immer verpennt,
darüber zu schreiben. Also, was gibt's Neues im Hause W13? Nichts und
das ist gut so! Die rosenheimer Punkrockfraktion, die sich auf die
Stirn geschrieben hat, alles aus dem Weg zu räumen, was ihnen nicht
passt, beschert uns nach wie vor flotte Songs, die auf den Punkt
kommen und ohne Umwege direkt ins Ohr gehen. Die 13 Nummern (davon 3
auf englisch gesungen), drehen sich einerseits um politische Themen,
der "Affensong" z.B., ist ein klares Anti-Bush Statement, andererseits
um persönliche Erfahrungen: Perspektivenlosigkeit ("Wohin Woher"),
anonymes Großstadtleben ("Schlafende Stadt") oder gescheiterte
Beziehungen ("Ruf mich nicht an") werden in durchschnittlich 3 Min. an
den Mann gebracht. Vom Etikett "Deutschpunk" und stumpfen Gegröhle ist
man zum Glück meilenweit entfernt, aber am besten, ihr überzeugt Euch
selbst: Anspieltipps sind "Uniformist", "Life tastes good" und der
Titelsong "Hauptsache es kracht". Ihr typischer Humor spielgelt sich
in "Mord im Vatikan" und im geilen Trash-Cover wieder und macht die
Band auf ein weiteres Mal sympathisch. Mehr Infos auf:
www.wilde13music.de.
Callisto - True Nature Unfolds (Earache)
Bei manchen skandinavischen Bands hat man das Gefühl, dass sie
besonders unter der Kombination aus Mitternachts-Sonne im Sommer und
schier ewiger Dunkelheit im Winter leiden. Callisto aus Finnland sind
solche Kandidaten und bringen mit ihrem Debüt den passenden Soundtrack
zum ganzen Leid heraus. Langsame, teils schleppende Arragements wie
man sie von Neurosis kennt, werden hier mit doomigen Gesang,
sphärischen Parts mit BladeRunner-Atmosphäre, ordentlich Metal-Gitarre
und zahlreichen ruhigen Momenten verschmolzen und trotz einzelner
Lieder, klingt alles eigentlich wie ein langer Track, der einen
langsam in seinen Bann zieht. Komisches Konzept, funktioniert aber
erschreckend gut!
The Movement - Revolutionary Sympathies (Destiny)
"Move your ass!" - Dieser Ausspruch stammt zwar von unsrem
Lieblingsraver Scooter, passt in diesem Fall aber vortrefflich, denn
bei diesem Meisterwerk stellt es sich als schwierig heraus, ruhig
sitzen zu bleiben. Eine Rakete aus Mod, Punk, Soul und Pop, als
Anhaltspunkt eignen sich die Herren von The Jam und The Clash, fliegt
zielsicher aus dem linken Lager in Richtung Kapitalismus, um dort
alles zu zerschlagen. Mit dem ersten Track "Karl Marx", wird die
Marschrichtung klar vorgegeben, wobei aber nur die Hälfte des Albums
politischer Natur sind, der Rest dreht sich um Liebe und darüber muss
ja auch mal geredet werden. Das sensationelle Mod-Artwork verleiht dem
Ganzen einen würdevollen Rahmen, lässt die Anzugträger auf ein
weiteres Mal gut aussehen und macht Lust auf mehr. Wurde übrigens von
Archi Alert (Terrorgruppe) produziert.
The Generators - The Winter Of Discontent (People Like You)
Die Generators haben sich - wie sich bereits beim letzten Album
angekündigt hatte - endgültig von der Rotzigkeit früher Tage
verabschiedet und man hat das Gefühl, dass sich der neue Sound hier
nun endlich richtig entfalten kann. Ruhiger geht es zu und das
Songwriting ist weiter in den Vordergrund gekrabbelt. Glaubwürdigkeit
hat die Generators schon immer ausgemacht und wenn hier über die
persönlichen Kämpfe gesungen wird, glaubt man tatsächlich jedes Wort.
Schön auch, dass die Band auf dem Weg zur festen
Rock'n'Roll-Institution nicht an Druck und Power eingebüsst hat. Man
muss sich lediglich ein wenig mehr Zeit nehmen, denn Hits, die einem
sofort ins Ohr springen, fehlen: Qualität statt Effekthascherei ist
das Motto.
Rubberslime - Rock'n'Roll Genossen (Dröönland)
Die Überreste von Slime und den Rubbermaids produzieren gemeinsam
teils punkige, teils rockige Songs, mit sozialen und politischen
Inhalten. Wer ein "A.C.A.B. - Teil 2" erwartet, ist auf dem Holzweg,
denn hier geht man eher gelassener, aber nicht unbedeutend, an die
Arbeit. Der Tiger kann noch zubeissen, aber seine revolutionären Tage
sind mit Sicherheit gezählt. Gefällt mir trotzdem gut und kommt mit
Bonus-DVD, auf der Slime-Klassiker, live zum Besten gegeben werden.
Dann ist ja alles im Lot.
Champion - Promises Kept (Bridge Nine)
Klassischer, melodischer Hardcore von Amerikas Ostküste schallt uns
hier entgegen. Nicht besonders innovativ, aber leidenschaftlich und
nicht nur, was den Alkoholkonsum angeht, ziemlich straight, versorgt
uns das Debüt der Band (übrigens mal wieder von Converges Kurt Ballou
produziert) hier mit 12 Liedern, bei denen man sofort einen kochenden
Moshpit vor dem inneren Auge hat. Gut so!
Clint - To Live In Guilt (Callahan)
Sehr anständig, was die drei Niedersachsen auf ihrem Debüt zu bieten
haben. Musikalisch bewegt man sich irgentwo zwischen Hot Water Music
und BoySetsFire, textlich geht es vor allem um "verletzte Liebe" (wie
der mitgeschickte Promotext mehrfach betont). Das Ganze wird mit
ordentlicher Power und professionellem Sound geliefert. Also bitte
schnell www.clintagon.de besuchen und auschecken!
Santeria and the Porn Horns - BabylonBy2CV (DIY)
Alle mal herhören: wer bei diesem schönen Wetter Bock hat, sich
relaxed die Eier zu schaukeln, dem seien diese vier feinen Tracks an
Herz gelegt: entspannter Ska meets Reggae meets gute Laune, das ganze
für nur drei Euro und aus München kommens auch noch. Da kann man
bedenkenlos zugreifen, also ab ins Internet (www.santeria-online.com)
und das Ding bestellen! Nicht immer nur das Taschengeld für Bier und
Zigaretten ausgeben, auch mal was vernünftiges machen. Zefix, wie oft
denn noch?
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